Worte zum Tag

 

Das will ich auch!

Die Bertelsmann Stiftung belegt in einer Studie, dass Bildungschancen von Kindern sehr vom sozialen Milieu abhängen.

Was kann ich meinem Kind geben, damit es auf dem Weg ins Leben nicht nur so mitkommt, sondern voller Freude mehr entdecken kann?

Ich beobachte, dass es einen sehr großen Druck gibt, schon im Kindergartenalter diese Frage mit materiellen Dingen zu beantworten. Es ist nicht nur das Teil, was „ich auch haben will!“, sondern es muss genau dies sein, die Firma, das Aussehen. Schnell folgen viele Eltern diesem Druck. Das Kind soll mithalten können!

Die Schule macht Druck – Bildung ist Leistung! Leistungsanforderungen werden erhöht, „wir sind eine Schule, in der die Kinder schneller vorankommen, besser sind“ als in einer anderen Grundschule. „Das will ich auch für mein Kind!“ – schnell sind Eltern dabei, nach Leistung zu rufen.

Bauchschmerzen, Kopfschmerzen, bis hin zum Burnout bei Kindern, beschreiben Kinderärzte die Symptome der steten hohen (Über-)Forderung der Kinder.

Natürlich soll auch die Kita diese schulische Anforderung erfüllen! Kita nach Stundenplan, damit sich die Kinder an den Rhythmus schon mal gewöhnen – „das will ich auch für mein Kind!“.

Ist das denn wirklich Bildung? Bildung will Kindern ermöglichen, Fähigkeiten zu entdecken, selbst etwas auszuprobieren und stolz auf selbst Erreichtes zu sein. Bildung ist nicht Abarbeiten von vorgegebenen Inhalten, Abhaken von Zielen, die die Wirtschaft setzt, damit man auf dem Arbeitsmarkt funktioniert. Bildung heißt aufmerksame Begleitung von Kindern, sich Zeit zu nehmen, sich den Fragen der Kinder zu stellen und Antworten mit ihnen zu finden.

Das kostet erst einmal kein Geld, es kostet Zeit, es kostet Wertschätzung des Kindes, es kostet eigenes Bewusstsein für mein Kind. Nicht abgeben an Kita oder Schule, nein mitgehen, Leistungsdruck hinterfragen, wenn ein zuerst lernfreudiges und lernfähiges Kind nach einem Jahr die Freude an der Schule verloren hat und Ängste entwickelt.

Computer und Englisch in der Grundschule – „Das will ich auch!“ – vielleicht wäre es besser zu fragen: was ist gut für mein Kind? Was für ein Bildungsverständnis, wenn strahlende Kinderaugen zunehmend ihren Glanz verlieren trotz Laptop, Handy und teurer Kleidung.

„Das will ich auch!“ – strahlende Kinderaugen!

Dieter Harburg, Pfarrer an St. Georg Goslar-Jürgenohl

 

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