Worte zum Tag

 

Erntedank

Vor einigen Wochen las ich in der Zeitung, was alles für eine neue Erntekrone gebraucht wird und wieviel Mühe es macht, eine neue zu binden. Deswegen hängen sie über mehrere Jahre in der Kirche oder werden auf dem Dachboden auf bewahrt.

Erntedank ist auch heute noch für viele ein besonderes Fest. Gerade in diesem Jahr, in dem das Wetter manchen Früchten sehr zusetzte und andere dafür reichlich geerntet wurden.

Auch bei anderen „Erntedank“-Feiern sieht es mit den Erntegaben sehr gemischt aus. Der Tag der deutschen Einheit wurde mit großem Prominentenaufgebot und gleichzeitig mit Angst vor Gewalttaten in Hannover durchgeführt.

Die „Erntegaben“ die wir zu diesem Tag Gott bringen werden ganz unterschiedlich gedeutet und bewertet.

Ich spüre in unserem ehemals Zonenrandgebiet eine große und tiefe Dankbarkeit für die Grenzöffnung. Doch es gibt auch offene Kritik für die schnell vollzogene Wiedervereinigung.

Für mich gibt es noch ein persönliches Erntedankfest. Seit dem Tod meiner Eltern im Januar sage ich immer wieder ihnen und unserem Vater im Himmel danke für ihr Leben. Ja, der christlich gesehene Tod der Eltern kann ein Erntedankfest des Lebens sein. Ich spüre wie in mir die Traurigkeit langsam abnimmt und die Dankbarkeit wächst.

Kann diese Dankbarkeit gegenüber meiner Familie und Freunden schon im Leben mehr Bedeutung gewinnen? Laut einer Umfrage von dem Gesellschaftsforscher Horst Opaschowski aus Hamburg ist für uns Deutschen (88%) das Wichtigste Stabilität und Sicherheit im Leben die Familie.

Bei Gesprächen mit verschiedenen Menschen höre ich auch manchmal von gebrochenen oder gestörten Familienverhältnissen. Dies kann am Erntedankfest eine Anfrage an mich sein, wieviel Mühe ich für meine Familie aufbringe und wieviel Dank ich ihnen und Gott schulde.

Diakon Eugen Griesmayr, Katholische Kirche Nordharz

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