Worte zum Tag

 

Knotenlöserin

„Knotenlöserin“. Das kann alles Mögliche bedeuten, etwas Medizinisches, ein Beziehungsproblem oder eine Zirkusaufgabe und vieles mehr. Wie sie vielleicht wissen hat Papst Franziskus auch einige Zeit in Deutschland studiert. Dabei ist ihm ein Bild in die Hände gefallen, das er später auch mit nach Argentinien genommen hat und dort weite Verbreitung fand. Es ist ein Wallfahrtsbild aus Augsburg in St. Peter am Perlach, das Maria darstellt, wie sie ein Band, „eine Schnur“ aufdröselt. So heißt dieses Wallfahrtsbild Maria Knotenlöserin. Der Mutter Jesu werden natürlich viele Sachen angetragen. Jede Mutter wird das verstehen….. . Für den morgigen Muttertag ist mir dieses Motiv wichtig geworden.

Unser Leben wird immer komplexer und verwirrender, weil die Herausforderungen größer werden. Eine Katastrophennachricht reiht sich an die andere. Im Lukasevangelium heißt es von Maria, dass ihr ein Schwert durch die Seele gehen wird (Lukas 2). Gerade der Schmerz um den Sohn konnte ihr geradezu die Luft nehmen und doch hat sie durchgehalten und auf Gott vertraut. Das ist eine Leistung, die ich beeindruckend finde angesichts der vielen ungelösten Fragen in ihrem Leben. So ist es kein Wunder, dass viele Menschen gerade bei ihr immer wieder Trost fanden, weil sie ihrem Sohn und dem himmlischen Vater so nahe war. Auch heute noch zeigt sie auf ihren Sohn und sagt: „Was er euch sagt, das tut“ (Johannes 2).)

Im Mai hat sich eine große Liebe für Andachten und Gebetszeiten entwickelt. Das Leben nicht nur in der Natur, sondern auch das neue Leben bei und in Maria entwickelt sich. Diesen Impuls nach vorn im Glauben und Vertrauen möchte ich mit in meinen Alltag nehmen. Im Vertrauen auf Gott werden Knoten gelöst. Manches braucht Zeit, aber der Blick auf große Glaubensgestalten kann Mut machen, dass die Knoten nicht alles sind. Wir wissen, wir kommen um das Leiden und die Schwierigkeiten nicht herum, aber als Christen wissen wir auch, dass wir Hoffnung haben dürfen. Es ist eine Hoffnung, die nicht aus uns kommt, aber in uns Raum nehmen möchte.

Mütter wissen, wie das ist, wenn Leben in einem heranreift. Heute danke ich besonders meiner Mutter, dass sie mich getragen hat. Durchtragen, wenn das Ende nicht absehbar ist. Das ist eine mütterliche Qualität. Dankeschön für alle gelösten Knoten bis hierher.

Vielleicht sehen wir uns am Muttertag um 15 Uhr zur Marienfeier in Liebenburg, da werde ich auch einen Blick auf die Knotenlöserin werfen.

Pfarrer Dirk Jenssen, Katholische Kirche Nordharz

 

 

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