Woran du dein Herz hängst

 

Soll man in diesem Jubiläumsjahr der Reformation noch etwas über Martin Luther sagen? Gegenwärtig begegnet man ihm auf Schritt und Tritt, auf Titelseiten von Magazinen, in Rundfunk- und Fernsehbeiträgen, in einer Vielzahl von Ausstellungen und Veranstaltungen. Kaum ein Aspekt, der nicht schon beleuchtet wurde: Luther und die deutsche Sprache. Luther als Dichter von Kirchenliedern. Luther als mutig-trotziger Rebell und Befürworter der Gewissensfreiheit. Luther, der wiederentdeckte, dass wir weit mehr aus dem Wissen leben, geliebt und angenommen zu sein, als aus den Leistungen, die wir hervorbringen. Aber auch: Luther als Eiferer, als einer, der auch nach den Maßstäben seiner Zeit intolerant war, gegen Juden, Muslime, überhaupt gegen religiös Andersdenkende, gegen vermeintliche Hexen und freiheitssuchende Bauern.

Vermutlich hat das große Interesse an ihm mit der Widersprüchlichkeit seiner Persönlichkeit zu tun. Aber wohl auch damit, dass er uns in einem stärkeren Maße geprägt hat, als es allgemein bewusst ist. Es scheint ein ordentliches Quantum Luther auch in den Menschen zu stecken, die sich als nicht oder wenig religiös empfinden. Er bezog das Alltagsleben und den Glauben eng aufeinander und legte damit eine Spur, die nie ganz verblasst ist. Ein gläubiges, frommes Leben konnte und sollte man nach seiner Überzeugung nicht hinter Klostermauern leben, sondern in der Mitte des Alltags, eben in der Familie, wie im Beruf. Und in gewisser Weise war er überzeugt, dass es nicht-religiöse Menschen überhaupt nicht gibt. Denn: „Worauf du nur dein Herz hängst und verlässest, das ist eigentlich dein Gott.“ Ob es Geld ist oder Einfluss und Anerkennung, Jugendlichkeit oder Unabhängigkeit – wir tragen immer etwas in uns, dass uns gleichsam zum Gott, zum Dreh-und Angelpunkt des Lebens wird. Das hält Luthers Empfehlung aktuell, unser Herz an den Gott zu hängen, der uns aus manchmal trügerischen, manchmal falschen Bindungen befreien will.

Übrigens: Der heutige Tag, der 18. Februar, ist der Todestag von Martin Luther. Er starb im Jahr 1546.


Thomas Gunkel, Propst in Goslar

 

Propstei Goslar | Kirche für und mit Menschen in Stadt & Land Goslar