Kein Notausgang für Leiden und Tod

Ein Notausgangsschild in einem Restaurant. Der Umriss eines rennenden Menschen ist darauf zu sehen. Er läuft nach links. Ein Pfeil weist nach links unten auf die Tür, über der das Schild hängt. Solche Schilder sehen wir jeden Tag in vielen öffentlichen Gebäuden. Sie sollen im Notfall Menschenleben retten; denn sie weisen im Brandfall auf den nächsten Fluchtweg hin. Aber das unglaubliche kommt jetzt, über dem Schild hängt ein Kruzifix. Dessen Längsbalken kreuzt den Pfeil!

Wer hätte nicht gerne einen persönlichen Notausgang für das eigene Leben angesichts von Krankheit, Leid oder gar den Tod! Ich kenne diesen Wunsch nur zu gut, aus einer Situation möglichst schnell fliehen zu können, weil ich die Zumutung kaum aushalte. Überhaupt wird mir das Leiden in der Welt oft zur Frage, auf die ich keine befriedigende Antwort finde. Und was dann bleibt, sind Schmerz und Trauer angesichts von Leid und Tod. Beides gilt es letztlich zu tragen.

In der kommenden Woche gehen wir auf Karfreitag zu. An diesem Tag erinnern wir uns an das Leiden und Sterben Jesu Christi am Kreuz. Nach christlicher Vorstellung setzt sich in dieser grausamen Hinrichtung Christi Gott selbst den Erfahrungen von Zweifel, Schmerz und Sterben aus. Daraus leiten wir Christinnen und Christen ab: Gott ist gerade im Leiden, in den schweren Stunden unseres Lebens nicht ferne, sondern er leidet mit uns, geht unseren Weg mit, durch alle Tiefen bis ans Ende. Und mehr noch: Mit diesem Tod, sehen wir Jesus an der Seite der unzähligen Menschen dieser Welt, die verfolgt werden, gefoltert oder deren Leben bedroht ist.

So ist das Kreuz von Golgatha nicht nur die Abbildung einer Hinrichtung, sondern es erinnert an diese abgründige Seite unseres Lebens, an die schmerzlichsten Verwundungen, mit denen wir nicht fertig werden können. Aber so gesehen geht vom Kreuz auch Trost aus. Dann ist der Karfreitag nicht nur Trauertag, sondern ein Tag der Vergewisserung über Gottes Liebe zu unserer leidenden Welt.

Die Fragen nach dem Warum und dem Wozu all des Leids und Elends in der Welt, die bleiben vorerst schmerzlich offen. Es gibt keinen Notausgang für unser Leben, auch keinen für unser Denken. Aber es gibt Erfahrungen, die uns zu einem Hinweis werden, wie ein unsichtbarer Pfeil. Das sind meist Erfahrungen von Liebe und Vertrauen. Beide Erfahrungen setzten uns auf die Spur und verweisen uns - auch schon vor Ostern - ans Leben.

Dirk Glufke, Pfarrverband Liebenburg und Klein Mahner

 



 


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