Worte zum Tag

 

Wir und die Welt

Sie flattern fröhlich auf Autodächern oder schmücken den Außenspiegel: Schwarz-rot-goldene Accessoires für den fahrbaren Untersatz. Der Grund ist nicht ein nationaler Aufbruch. Es ist ganz einfach Fußballweltmeisterschaft. Gewiss – man fiebert mit der eigenen, deutschen Mannschaft mit, vor dem Fernseher zuhause oder beim public-viewing. Der Geist des großen Fußballfestes ist aber gerade nicht national, sondern international. Menschen unterschiedlicher Sprachen, Hautfarben und Kulturen begegnen sich und verstehen sich in einem friedlichen Wettbewerb. Was für ein wohltuender Kontrast zu all den gewalttätigen Auseinandersetzungen in der Welt, die Menschen entlang irgendwelcher Volks- oder Religionszugehörigkeiten zu Feinden macht! Gestern noch haben wir dabei auf Afghanistan, Libyen, Ägypten oder Syrien geschaut – heute bekämpfen sich schiitische und sunnitische Moslems im Irak. Und morgen?

Sport kann mithelfen, Brücken zwischen Menschen zu bauen. Das ist das, was ich an der Fußballweltmeisterschaft, unabhängig von ihrem Ausgang, besonders mag.

Und doch: Während wir dieses Fußballfest feiern, mahnt der Landesbischof der Hannoverschen Kirche, Ralf Meister, mehr Aufmerksamkeit für Flüchtlinge in Deutschland an. 20.000 Flüchtlinge lebten allein in Niedersachsen ohne ein gültiges Ausweispapier. Sie ziehen es vor, in Deutschland zu sein, auch ohne eine Aussicht auf ein Bleiberecht oder eine Arbeitserlaubnis, als in ihre Heimatländer zurück zu gehen, die oft von Armut und Krieg gekennzeichnet sind. Es sind bedrückende Schicksale darunter, so der Bischof. Und er fordert die Kirchengemeinden auf, diesen fremden Menschen Hilfe zu leisten.

Sicher können Mitleid und Einfühlung in das Schicksal dieser Menschen politische Lösungen nicht ersetzen. Auch die konkrete Unterstützung in Kirchengemeinden tut das nicht. Da geht es eher um ein Signal, das sagt: Du bist mit deinem Schicksal nicht allein. Andererseits sollte der Hinweis, dass an politischen Lösungen für das Migrationsproblem gearbeitet werden muss, die Hilfe vor Ort nicht ersetzen.

Zum Umgang mit Fremden hat übrigens auch die Bibel eine Meinung. Im 2. Buch Mose zum Beispiel wird an die Zeit der Unterdrückung der Israeliten in Ägypten erinnert: „Und den Fremdling sollst du nicht bedrücken, ihr wisset ja selbst, wie es dem Fremdling zumute ist, denn Fremdlinge seid ihr im Lande Ägypten gewesen.“

Thomas Gunkel, Propst in Goslar

 

Propstei Goslar | Kirche für und mit Menschen in Stadt & Land Goslar