Worte zum Tag

 

 

Heimatlos bei uns

„Du aber sollst vor dem Herrn, deinem Gott, folgendes Bekenntnis ablegen: Mein Vater war ein heimatloser Aramäer. Er zog nach Ägypten, lebte dort als Fremder mit wenigen Leuten und wurde dort zu einem großen, mächtigen und zahlreichen Volk.“ Deuteronomium 26,5

„Mein Vater war ein heimatloser Aramäer“, dieser Gedanke findet sich im Anfang der Bibel und ist für die Juden und Christen eine Grund Ur-Kunde ihres Glaubens. Heimatlos zu sein gehört zu ihrer mindestens spirituellen Herkunft.

Viele Menschen in meinen Gemeinden können das genauso sagen, weil auch sie hier Heimat gesucht und gefunden haben.

Für uns Christen ist es immer wieder wichtig die Botschaft der Bibel zu hören, dass hier noch nicht die ewige Heimat zu finden ist, aber schon Rastplätze und Oasen.

Das Motiv der Gastfreundschaft ist ein Bild, das in vielen Kulturen tief verwurzelt ist und war. Für die Menschen der Bibel war es ein Bild für den überraschenden Besuch Gottes in unserer Welt. Vielleicht war der Besuch ein Engel, in jedem Fall ein Mensch, der Gottes Abbild ist.

Wir brauchen also nicht in irgendeine alte gedankliche "Mottenkiste" zu greifen, um
Hilfestellung zu bekommen, wie wir mit den vielen Hilfesuchenden Menschen umgehen können. Es ist uns vielmehr in unser Stammbuch geschrieben, einmal aufgenommen worden zu sein und auch wieder aufzunehmen.

Was ist zu tun? Die Verhältnisse in den Heimatländern zu ändern, bleibt eine politische Aufgabe. Der menschenwürdige Umgang mit Menschen anderer Herkunft ist unsere Aufgabe. Da unser Landkreis Goslar Menschen dezentral aufnimmt, können wir auch dezentral vor Ort helfen, dass Menschen schnell heimisch werden. Dies können wir tun mit unseren Grundfähigkeiten der Offenheit, Freundlichkeit und vor allem auch der Fertigkeit, die deutsche Sprache zu lehren.

Am heutigen Sonnabend hat sich "die Rechte" in Goslar angekündigt. Sie wollen genau das Gegenteil von uns Christen: Sich abkapseln und verschließen. Wir wollen am heutigen Sonnabend ab 11 Uhr stündlich ausdrücklich in der St. Jakobikirche in Goslars Innenstadt für Solidarität und Zusammenhalt beten. Außerdem wird auch eine parteiübergreifende und viele Institutionen übergreifende Gegenkundgebung veranstaltet werden. Alle wollen zeigen: Wir wollen miteinander und nicht gegeneinander leben. So kann manche Heimatlosigkeit überwunden werden und die Herausforderung der Vielen zu uns kommenden Menschen anzunehmen.

Darüber bin ich sehr froh und erhoffe für uns alle Gottes Segen und Kraft.

Dirk Jenssen – leitender Pfarrer der Katholischen Kirche Nordharz

 

 

 

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